Allah erschuf die Geschöpfe, damit sie Ihm dienen. Und Er machte zu den vornehmsten Zielen der Anbetungen das Aufsteigen in den Rangstufen der Gottesfurcht (Taqwâ) und des Glaubens (Îmân), die Verwirklichung der Stufe der Bewachung (Murâqaba) und der Vollkommenheit (Ihsân), das Erlangen der Wonne der Anbetung und die Verwirklichung ihrer Ziele.
Und da sich die Naturen der Anbetenden in den Ursachen und Mitteln zur Verwirklichung dieses Ziels unterscheiden, unterschieden sich auch die Antworten des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) auf dieselbe Frage – je nach dem unterschiedlichen Zustand des Fragestellers.
Im „Ṣahîh Al-Buchârî“ wird von ´Abdullâh ibn Mas´ûd überliefert, dass er sagte: „Ich fragte den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): ‘Welche Handlung ist Allah am liebsten?’ Er sagte: ‘Das Gebet zu seiner Zeit.’ Ich fragte: ‘Dann welche?’ Er sagte: ‘Dann die Güte zu den Eltern.’ Ich fragte: ‘Dann welche?’ Er sagte: ‘Der Dschihâd auf dem Weg Allahs.’ Er sagte: ‘Er erzählte mir diese, und wenn ich ihn um mehr gebeten hätte, hätte er mir mehr gegeben.’„
Und Abû Umâma stellte ihm dieselbe Frage: „Welche Handlung ist die vorzüglichste?“ Er sagte: „Halte dich an das Fasten, denn es hat keinen Gleichen.“ Überliefert von an-Nasâ`î.
Was Abû Mûsâ Al-Asch´arî,
, betrifft, so überliefern Al-Buchârî und Muslim von ihm, dass er sagte: „Sie sagten: ‘O Gesandter Allahs, welcher Islam ist der beste?’ Er sagte: ‘Diejenige, bei der die Muslime vor seiner Zunge und seiner Hand sicher sind.’“ (Einigkeit über die Überlieferung).
Und dies ist ein weites Feld für denjenigen, der es verfolgen und seine Aspekte sammeln möchte. Es ist auch von großer Bedeutung für jeden, der sich für die Fatwâ und die Einladung (Da´wa) hervortun möchte und sich der Erziehung der Menschen, ihrer Belehrung und Anleitung sowie der Beantwortung ihrer Fragen widmet. Denn die Seelen sind unterschiedlich, und was für den einen heilsam ist, mag für den anderen nicht heilsam sein. Und was den einen zur Ruhe der Seele, ihrer Stabilität, Beruhigung und Wonne an der Anbetung ohne Überdruss und Langeweile bringt, mag mit den Seelen anderer nicht übereinstimmen.
Es ist bekannt, dass die Rangstufen der Anbetungen und ihre Stellungen bei Allah sich danach unterscheiden, welche Frucht sie im Herzen des Anbetenden hervorbringen und welchen Grad der Gottesfurcht (Taqwâ) und Vollkommenheit (Ihsân) er damit erreicht. Daher ist es sehr wichtig, dass derjenige, der zu Allah unterwegs ist, weiß, dass es ein Irrtum ist zu meinen, dass die Gehorsamshandlungen eine angesammelte Menge oder ein Zähler sind, der Bewegungen und Ruhezustände erfasst. Vielmehr ist die Wahrheit, dass die Handlung bei Allah eine Waage ist, nicht eine Zählung, und eine Qualität, nicht eine Quantität. So manches „subhân Allâh“ inmitten der Nacht mit gegenwärtigem Herzen hat in der Waage manches Durchlesen des Qurân mit abwesendem Herzen überholt. Und eine Träne in der Einsamkeit bewahrt ihren Verrichter vor der Hitze des Feuers. Und die heimliche Almosen (Ṣadaqa) löscht den Zorn des Herrn. Und eine geringe, leichte Handlung in Aufrichtigkeit (Ichlâṣ) lässt ihren Verrichter am Tag der Auferstehung im Schatten Allahs weilen. Und das Mitleid mit einem Tier um Allahs willen lässt die Sünden einer Hure vergeben werden, die ihr Leben im Schlamm der Unzucht verbrachte.
Von hier aus kommt die Kenntnis der Rangstufen der Handlungen (Fiqh Marâtib Al-A´mâl) und wird zum Kompass, der den Muslim davor bewahrt, das Meer zu pflügen oder ein Schloss in der Luft zu bauen. Und dies ist der Unterschied zwischen dem zählenden Anbeter und dem erkennenden, schauenden (Wissenden).
Handlungen: Vorzügliche und weniger vorzügliche
Der Schlüssel zur Abhandlung in diesem Kapitel ist, dass einige Anbetungshandlungen vorzüglich sind und andere weniger vorzüglich; dies gilt im Allgemeinen. Was jedoch die Einzelheiten betrifft, so kann das, was zu einer Zeit vorzüglich ist, zu einer anderen Zeit weniger vorzüglich sein. Und noch wichtiger als dies ist, dass die vorzügliche Handlung für einen Menschen geringer ausfallen kann für einen anderen Menschen – je nach dem, was mit ihr an Zielen der Anbetung selbst und dem, was Allah von ihr will, verbunden ist, und was sich im Diener davon verwirklicht.
Dieses Thema gehört zu den subtilen Wissensbereichen. Wem darin Verständnis gegeben wird, dem wird viel Gutes gegeben. Wenn er für sich selbst handelt, nützt es ihm selbst und er steigt im Zustand und im Lohn auf. Und wenn er ein wissender Lehrer für andere ist, so nützt Allah durch ihn den Geschöpfen und öffnet den Menschen die Tore des Guten, und er verkehrt mit jedem Menschen so, wie es ihm entspricht und ihm in seiner Religion, seinem Diesseits und seinem Jenseits nützt – so wie es der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) mit seinen Gefährten tat.
Der Unterschied der Vorzüglichkeit nach Zeiten und Zuständen
Der Scheich Al-Islâm (Ibn Taymiyya) hat in seiner Darlegung zu diesem Kapitel eine meisterhafte Leistung vollbracht und Worte geäußert, die so treffend, schön und nützlich sind. Und zu seinem vortrefflichen Verständnis in diesem Kapitel gehört, dass die Beurteilung des Vorzüglichen und des weniger Vorzüglichen sich auf die Zeit und die Epoche beziehen kann, oder von der Fähigkeit des Angesprochenen zur Handlung abhängen kann, oder auf den Nutzen zurückgehen kann, den sein Verrichter daraus zieht. Die Vorzüglichkeit hängt für ihn nicht nur vom Grundsatz ab, sondern auch von dem, was die Handlung umgibt – an Zeit, Fähigkeit und Wirkung.
Er, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte zur Bestätigung dieser Bedeutung: „Und hier gibt es einen Grundsatz, den wir kennen sollten: Wenn eine Sache im Allgemeinen vorzüglich ist, muss sie nicht in jedem Zustand und nicht für jeden vorzüglich sein. Vielmehr ist das weniger Vorzüglich in seiner Stellung, für die es vorgeschrieben wurde, vorzüglicher als das absolut Vorzügliche.“ (Madschmû´ Al-Fatâwâ 24/237)
Und er sagte: „Und es kann sein, dass das weniger Vorzüglich zu einer Zeit vorzüglicher ist als das Vorzügliche, und es kann sein, dass das weniger Vorzüglich für denjenigen, der es vermag und davon Nutzen hat, vorzüglicher ist als das Vorzügliche für denjenigen, der nicht so ist.“ (Madschmû´ Al-Fatâwâ 11/399)
Und er sagte: „Und das Vorzügliche variiert je nach den verschiedenen Zuständen der Menschen. Es gibt Handlungen, deren Art an sich vorzüglich ist, die dann aber zurückgesetzt oder sogar verboten sein können.“ (Madschmû´ Al-Fatâwâ 22/309)
Und diesen Grundsatz erwähnte er oft verstreut in der „Madschmû´ Al-Fatâwâ“ und in anderen Werken und wiederholte ihn mit Nachdruck, um auf seine Wichtigkeit hinzuweisen.



Haddsch-Glossar
Fatwâ





